Nachdenkliches

Wahrnehmung - alles eine Frage der Perspektive

 

Wie nehmen wir uns, unser Leben, unser Umfeld, unseren Alltag, Kollegen, Kunden, unsere Probleme und Alltäglichkeiten eigentlich wahr?

 

Hier eine chinesische Erzählung - zum Nachdenken

 

(aus: Wie können wir leben? von Michael von Brück)

 

In einem chinesischen Dorf lebte ein alter Mann, der ein wunderschönes Pferd besaß. Darum beneideten ihn selbst die Fürsten. Der Greis lebte in ärmlichen Verhältnissen, doch sein Pferd verkaufte er nicht, weil er es als Freund betrachtete.

Als das Pferd eines Morgens verschwunden war, erzählte man sich im ganzen Dorf: 'Schon immer haben wird gewußt, dass dieses Pferd eines Tages gestohlen würde. Welch ein Unglück für diesen alten Mann!'

'So weit dürft ihr nicht gehen', erwiderte der alte Mann. 'Richtig ist, dass das Pferd nicht mehr in seinem Stall ist, alles andere ist Urteil. Niemand weiß, ob dies ein Unglück ist oder ein Segen.'

Nach zwei Wochen kehrte der Schimmel, der nur in die Wildnis ausgebrochen war, mit einer Schar wilder Pferde zurück. 'Du hast recht gehabt, alter Mann', sprach das ganze Dorf, 'es war ein Segen, kein Unglück!'

Darauf erwiderte der Greis:'Ihr geht wieder zu weit. Tatsache ist nur, dass das Pferd zurückgekehrt ist.'

Der alte Mann hatte einen Sohn, der nun mit diesen Pferden zu arbeiten begann. Doch bereits nach einigen Tagen stürzte er vom Pferd und brach sich beide Beine. Im Dorf sprach man nun:'Alter Mann, du hattest recht, es war ein Unglück, denn dein einziger Sohn, der dich im Alter versorgen könnte, kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen.' Darauf antwortete der Mann:'Ihr geht wieder zu weit. Sagt doch einfach, dass sich mein Sohn die Beine gebrochen hat. Wer kann denn wissen, ob dies ein Unheil ist oder ein Segen?'

Bald darauf brach ein Krieg im Lande aus. Alle jungen Männer wurden in die Armee eingezogen. Einzig der Sohn des alten Mannes blieb daheim, weil er ein Krüppel war. Die Bewohner des Dorfes meinten:' Der Unfall war ein Segen, du hattest recht.' Darauf entgegnete der alte Mann:'Warum seid ihr vom Urteilen so besessen? Richtig ist nur, dass eure Söhne ins Heer eingezogen wurden, mein Sohn jedoch nicht. Ob dies ein Segen oder ein Unglück ist, wer weiß?'

 

 

Ereignis --> Interpretation --> Gefühl, die Abfolge der Wahrnehmung. unserer Einstellung, Phantasien und Bewertungen (auch Kognitionen genannt), beeinflussen letztlich (über unser Gehirn), wie wir Situationen verarbeiten, darauf reagieren und uns dabei fühlen. Möchten wir ein vorschnelles Urteilen, Kategorisieren nachhaltig verändern, so ist bei unserem Verhalten anzusetzen. Das beruht darauf, weil wir unsere Gefühle durch unser Denken und Verhalten steuern.

 

 

Die Geschichte von den zwei Wölfen

 

Ein alter Indianerhäuptling erzählt seinem Enkelkind eine alte Indianerweisheit:

 

‚In jedem von uns tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Einer der Wölfe ist böse – er steht für Ärger, Neid, Sorge, Selbstverurteilung, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Ressentiment, Unterwürfigkeit, Lügen, falscher Stolz, Überheblichkeit, Selbstzweifel und Ego.‘

 

‚Der andere Wolf ist gut – er repräsentiert Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Heiterkeit, Bescheidenheit, Freundlichkeit, Wohlwollen, Einfühlungsvermögen, Grosszügigkeit, Wahrhaftigkeit, Mitgefühl und Vertrauen.‘

 

Der Enkel dachte eine Weile nach und fragte dann seinen Großvater: ‚Welcher Wolf wird denn gewinnen?‘

 

Der alte Häuptling antwortete: ‚Der, den Du fütterst.‘